Datenrettung: Festplatte macht piepende Geräusche und läuft nicht an

Eine Festplatte läuft nicht an, sondern macht für einige Sekunden piepende Geräusche, um dann stumm zu werden. Die Platte ist nicht mehr ansprechbar, der Zugriff auf die Daten ist nicht möglich. Eigentlich ein Fall für eine teure, professionelle Datenrettung – in vielen Fällen gibt es aber noch eine andere Lösung !

Ursache

Dieses Symptom findet man häufig bei 2,5“ Festplatten. Ursache der Fehlfunktion sind die Schreib-Leseköpfe, die nicht korrekt in die Ruheposition zurückgefahren sind. Das bedeutet: die Köpfe liegen auf den Platten auf. Würde die Platte in diesem Stadium hochlaufen, würden die Köpfe auf den Platten schleifen und sowohl die Köpfe als auch die Scheiben verkratzen beziehungsweise zerstören.

Wenn die Schreib-Leseköpfe auf den stehenden Scheiben aufliegen, erzeugt das erstaunlich viel Widerstand, und der Motor kann nicht hochlaufen. Bei dem Versuch hochzulaufen wird der Piepton erzeugt. Nach einigen Versuchen schaltet die Platine dann auf „Error“, und das Piepen hört auf.

Normalerweise bleibt in so einer Situation nur der kostspielige Weg einer professionellen Datenrettung im Reinraum. Selbstverständlich raten wir dringend dazu, wenn es um sehr wichtige Daten geht.

Oft sind die Daten auf der Festplatte aber nicht ganz so lebenswichtig, und eine Datenrettung mit Kosten im vierstelligen Bereich kommt ohnehin nicht in Frage. Nur in diesem Fall sollte man versuchen, die Festplatte selber wieder zum Leben zu erwecken.

Schreib-Lesekopf1

Festplatte öffnen

Um die Schreib-Leseköpfe wieder in die dafür vorgesehene Ablage zu bekommen, muß die Platte geöffnet werden. Dazu sollte man einen möglichst staubfreien Raum aufsuchen. Wer mag, kann sich auch eine kleine Kabine aus einer durchsichtigen Plastiktüte bauen, diese mit Druckluft aus der Dose füllen und die benötigten Werkzeuge durch die Tüte benutzen (das ist allerdings sehr umständlich…).

Alle Festplatten lassen sich an der Oberseite öffnen – also auf der Seite mit dem meist silberfarbenen Deckel, nicht auf der Platinenseite. Die meisten der zu öffnenden Schrauben sind gut sichtbar, allerdings ist immer mindestens eine Schraube unter den Papieraufklebern versteckt, häufig auch unter einer zusätzlichen, kreisrunden Abdeckung. Sind die Aufkleber manipuliert, kann der Hersteller sehen, ob schon einmal jemand unbefugterweise die Platte geöffnet hat. In jedem Fall muß der Deckel ohne größere Gewaltanwendung lösbar sein, sonst wurde eine Schraube übersehen. Eine leichte Verklebung ist aber normal.

Schreib-Lesekopf2

Schreib-Leseköpfe in die Ruheposition bringen

Nun kommt der spannende Moment. Der Deckel ist ab: Sind die Schreib-Leseköpfe deutlich außerhalb der Metallscheiben in der Ruheposition? Wenn nicht, kann man versuchen, die Köpfe möglichst vorsichtig manuell zurückzudrücken. Spezialwerkstätten benutzen zu diesem Zweck spezielles Werkzeug und Erfahrung. Beides wird vor Ort höchstwahrscheinlich nicht vorhanden sein – man kann also nur die Köpfe vorsichtig, aber bestimmt in Richtung Ruheposition drücken. Dabei nicht oben an der Spitze, sondern an einer stabileren Stelle ansetzen. Ein (sauberer) Finger ist wahrscheinlich das beste Instrument. Die Köpfe bewegen sich übrigens alle gleichzeitig, man muß also nicht jeden Kopf einzeln bewegen.

Optimal wäre es, die Köpfe dazu leicht anzuheben, aber das ist bei mehreren Scheiben und beidseitig positionierten Köpfen schwierig, und darüber hinaus besteht die Gefahr, daß die filigrane Aufhängung dabei beschädigt wird.

Wichtig: Keinesfalls versuchen, die Platten selber zu bewegen, wenn die Köpfe aufliegen ! In Schleifrichtung würden die Köpfe auf den Platten kratzen, in der Gegenrichtung stauchen die Köpfe hoch und verbiegen oder brechen ab.

Auch wenn die Köpfe nicht gerade mitten auf der Platte zur Ruhe gekommen sind, kann dieses Symptom auftreten. Bisweilen haken die Köpfe bei dem Versuch, in die Ruhehalterung einzuscheren. Man sollte also prüfen, ob die Köpfe wirklich in der Endposition liegen.

Schreib-Lesekopf3

Daten retten

Ist die Prozedur geglückt, kann man den Deckel wieder aufsetzen. Zu diesem Zeitpunkt sollte man auf keinen Fall versuchen, die Platte offen zu betreiben – jedes Staubkorn zuviel könnte den Daten den Garaus machen !

In unseren Testfällen hat diese Methode einige Male einwandfrei funktioniert. Die Platte lief ganz normal wieder an, und die Daten ließen sich komplett auslesen und auf eine andere Platte kopieren.

Von der Weiterverwendung einer solchen Platte über die Datensicherung hinaus ist natürlich dringend abzuraten. Wenn aber mit etwas Glück alle Daten gesichert wurden, kann man sich bei Interesse die Arbeit einer offenen Platte gerne mal ansehen. Wenn man die hektischen Bewegungen der Schreib-Leseköpfe sieht, bekommt man ein wenig ein Gefühl dafür, welcher Feinmechanik man da seine Daten anvertraut. Das schärft vielleicht ein wenig das Bewußtsein für eine Datensicherung !

Eine sehr schöne Zusammenstellung von Geräuschen, die defekte Festplatten so von sich geben können, findet sich in der Sound-Galerie von festplatten-geraeusche.de.

(f770/hr)

Artikel und Links zum Thema:
Ein Plädoyer aus ganzem Herzen: Leute, macht Backups ! Bitte bitte.
Defekte Festplatten mit DiskWarrior reparieren
Festplatte überprüfen und reparieren
Festplattengeräusche: Soundgalerie
  1. birgit vor 2 Jahren

    Aus eigener Erfahrung noch ein Tipp nach dem Motto „kleine Ursache – große Wirkung“:
    Bei externen Festplatten z.B. am Firewire-Bus kann es auch einfach mal am schwächelnden Netzteil liegen … ähnliche Symptome: Festplatte läuft kurz an, stoppt wieder, nach ein paar weiteren Versuchen gibt sie auf.
    Passendes (!!!) Netzteil getauscht und alles wieder gut!

    • Autor
      tiramigoof vor 2 Jahren

      Hallo Birgit, Du hast Recht – defekte Netzteile können einen ähnlichen Effekt verursachen, das ist uns auch schon mal passiert. Allerdings hatten wir bei unseren Plattenmodellen dabei kein Piepgeräusch.
      Danke und Grüße :-) Anette

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