Worauf muß ich achten, wenn ich einen neuen Monitor kaufen will ?

Kauft man einen iMac oder einen Monitor von Apple, bekommt man (fast) immer die technisch beste Panelbauart. Auch das iPad benutzt kompromisslos die teuerste Panelbauart, das so genannte S-IPS-Panel.

Aber manch einer mag die verspiegelten Displays nicht, das 30″ Display ist vielleicht doch zu riesig, und es muß ja auch nicht unbedingt immer Apple draufstehen. Dann ist die Auswahl an Herstellern und Geräten groß, und es gibt jede Menge Möglichkeiten, so richtig danebenzugreifen. Jede Panelbauart hat ihre Vorteile, und die Liste der technischen Daten ist lang.

Also was tun ? Am Besten zunächst ein kurzer Diskurs über die drei Hauptkategorien der Panel.

Panel-Arten

1. TN-Panel
Diese Panel sind sehr preiswert und haben sehr schnelle Reaktionszeiten. Nachteilig ist die starke Blickwinkelabhängigkeit und der eingeschränkte Farbraum. TN-Panel arbeiten mit 6 Bit und können maximal 260.000 Farben darstellen – nur mit Tricks lassen sich scheinbar mehr Farben erzeugen. Alle Monitore unterhalb etwa 400 € sind in der Regel mit TN-Paneln bestückt.

2. MVA-Panel
MVA-Panel sind die besseren Panel. Sie arbeiten mit 8 Bit und können 16 Millionen Farben darstellen. Sie sind etwas langsamer, bieten dafür aber mehr Kontrast und mehr Farbe. Darüber hinaus sind sie weniger blickwinkelabhängig. MVA-Panel werden in farbtauglichen Monitoren der Einsteigerklasse bis hin zu High-End Monitoren verbaut.

3. S-IPS-Panel
S-IPS-Panel sind technisch noch weiter entwickelt, noch weniger blickwinkelabhängig und bieten eine noch bessere Farbdarstellung. Verbaut werden diese Panel von der oberen Mittelklasse bis zu High-End-Geräten.

Anwendungsbereiche

Wenn Geld keine Rolle spielt, ist ein S-IPS-Panel (fast) immer die erste Wahl. Die Farbdarstellung ist ebenso wie der nutzbare Winkel top. Also für Bildbearbeitung, Farbbeurteilungen etc. genau das Richtige.

Gute MVA-Panel kommen dem schon sehr nahe, allerdings ist hier die Bandbreite in der Qualität deutlich größer. Ein wirklich gutes MVA-Panel kostet eben auch.
Bei günstigen MVA-Paneln ist schon doch eine Farbverschiebung bei einem „schrägen“ Blickwinkel festzustellen. Und das Argument, man sitze ja alleine davor und auch nicht schräg, zieht hier gar nicht.
Sitzt man normal vor einem Monitor und zieht eine farbige Fläche auf, ist der Blickwinkel im mittleren, oberen Bereich des Monitors optimal. Schaut man aber an den unteren Rand, hat man schon einen deutlich anderen Blickwinkel und deutlich andere Farben. Das Problem wird zwar technisch immer besser aufgefangen, aber mit steigender Monitorgröße auch wieder gravierender.

Insgesamt ist ein MVA-Panel in der Regel „schneller“, was im Videobereich oder bei Spielen ein Vorteil sein kann.

Noch schneller ist ein TN-Panel. Also gut geeignet für Fernseher, Gamer und (aufgrund des Preises) für jede Art billiger Monitore. Die Farben sind immer etwas „bonbonig“, also übertrieben bunt, was für Urlaubsfotos in geselliger Runde OK ist. Aber Bildbearbeitung ist auf diesen Geräten kaum möglich. Schaut man seitlich auf diese Panels, wird aus Weiß typischerweise ein sattes Braun, die anderen Farben reagieren ähnlich.
Allerdings gibt es durchaus auch Anwendungen, bei denen wir zu TN-Panels raten: gerade Büromonitore sind (weil billig) fast immer auf TN-Panel Basis aufgebaut.
Wenn ein Anwender also hauptsächlich Büroarbeiten erledigt – genau das Richtige. Idealerweise empfehlen wir dann sogar Monitore mit reduzierter Auflösung, so daß die Schrift nicht zu klein dargestellt wird und besonders gut lesbar ist.

Prospektwerte

Weniger kann also deutlich mehr sein, und in kaum einem Bereich wird so unverhohlen gelogen wie im Datenblatt und den Anpreisungen von Monitoren.

Kleines historisches Beispiel: Wenn Sie noch alte Röhrenmonitore im Keller haben, suchen Sie doch mal einen uralten 19″, einen mittelalten 20″ und einen 22″ Monitor heraus und messen Sie mal nach… Alle gleich groß ! Wie kann das sein ? Ganz einfach: Am Anfang war man ehrlich und gab an, was leuchtet (mit schwarzem Rand), also 19″. Dann kam ein Schlauberger und meinte, es ginge um die sichtbare Röhrenfläche. Da waren es schon 20″. Zuletzt kam der Oberschlauberger und meinte, Röhrendurchmesser ist Röhrendurchmesser, nahm an den Außenkanten der Röhre Maß, egal wieviel man sah, und schon waren es 22″.

Heute gibt es solche Schummeleien immer noch:
Monitorgrößen werden in der Diagonale angegeben. Ist also ein Monitor besonders breit, hat er eine große Diagonale, obwohl die Fläche bei einem kleineren 4:3 Format größer ist. Man stelle sich einfach einen Monitor vor, der nur einen Zentimeter hoch, aber sehr breit ist. Die reinen Diagonalmaße täuschen mit wachsender Breite des Monitors eine nicht vorhandene Fläche vor.

Oder Kontraste: Gute Monitore haben einen Kontrast im Bereich von 1 : 1000, billige kommen mit Kontrastwerten von 1 : 100000 oder mehr. Da regelt die Helligkeit dann automatisch mit. Helles Bild – viel Licht, dunkles Bild – wenig Licht. Für Grafiker nicht zu gebrauchen (oder zumindest sofort deaktivieren).

Oder Schnelligkeit – die Millisekunden. Das bezieht sich auf einen Farbwechsel für irgendeine vom Hersteller benannte Farbe. Ob die anderen Farben da mitkommen, wurde nicht berücksichtigt.

Bei der Auswahl des passenden Gerätes kann man die Prospektwerte also getrost vergessen.
Mit dem Wissen um die Panelbauarten ist man schon gut gerüstet, und jedes Panel hat (natürlich auch im Preis) seine Vor- und Nachteile.

Empfehlungen

Für Büroarbeiten: TN-Panel, gern auch mit reduzierter Auflösung.

Für Allrounder: MVA-Panel. Es gibt solche Panel mit guter Farb- und Grafikdarstellung seit kurzem schon ab etwa 250 € für 23″.
Samsung Syncmaster F2380 bei Amazon

Für verbindliche Farbdarstellung: ein gutes (teureres) MVA-Panel oder ein S-IPS-Panel.

Und da die Prospektwerte gerade bei letzterem wenig aussagekräftig sind – kaufen Sie bei einem Händler, der Sie berät und dem Sie wirklich vertrauen, oder kaufen Sie nur, was Sie selbst gesehen und für gut befunden haben.

(b109/hr)

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