Unsichtbare Dateien und Ordner

In Mac OS X gibt es sehr viele unsichtbare Dateien und Ordner, um die man sich normalerweise nicht zu kümmern braucht. Aber in manchen Situationen kann es doch einmal nötig sein, eine unsichtbare Datei zu löschen, zu bearbeiten oder alle unsichtbaren Objekte auf der Festplatte anzeigen zu lassen – oder man möchte vielleicht einen sichtbaren Ordner verstecken.

Wie so oft gibt es mehrere Wege zum Ziel – hier nur einige davon !

1. FTP-Client

Die komfortabelste Möglichkeit, um mal eben schnell die Sichtbarkeit einer einzelnen Datei oder eines Ordners zu ändern, ist mir zufällig einmal aufgefallen: Viele FTP-Clients, z.B. Transmit, zeigen alle unsichtbaren Objekte auf der Festplatte an. Vorteil dieser Methode: man muß nicht gleich alle Dateien sichtbar machen, sondern kann ganz gezielt ein einzelnes Objekt bearbeiten. Nachteil: Sichtbar machen kann man nur Objekte, deren Unsichtbarkeit durch einen Punkt am Anfang des Dateinamens verursacht wird.

So gehts:
Das Programm Transmit herunterladen (gibts als 15 Tage-Demo) und starten. Im Menü „Darstellung“ überprüfen, ob der Haken bei „Unsichtbare Dateien einblenden“ gesetzt ist. In der linken Spalte des Programmfensters wird nun im Bereich „Ihre Daten“ der Inhalt des eigenen Macs angezeigt – und zwar inklusive aller unsichtbaren Dateien und Ordner ! Nun kann man einfach durch Anklicken und Ändern des Namens das gewünschte Objekt sichtbar (den Punkt entfernen) oder unsichtbar machen (einen Punkt am Anfang hinzufügen). Objekte können auch direkt gelöscht werden, indem man sie auf das Papierkorb-Symbol im Transmit-Fenster zieht. Achtung: Unsichtbare Dateien werden natürlich vom Papierkorb nicht erkannt und daher beim Entleeren auch nicht entfernt.

2. Terminal – Show All Files

Wer das Terminal nicht scheut und sich alle unsichtbaren Objekte anzeigen lassen möchte, kann diese Methode verwenden:
Das Terminal öffnen (Programme/ Dienstprogramme) und diesen Befehl eingeben:

defaults write com.apple.finder AppleShowAllFiles TRUE
killall Finder

Der Finder wird neu gestartet, danach sind alle unsichtbaren Objekte sichtbar und zugänglich. Mit diesem Befehl läßt sich die Aktion wieder rückgängig machen:

defaults write com.apple.finder AppleShowAllFiles FALSE
killall Finder

Nach jeder Zeile natürlich mit Return bestätigen. Die Terminalbefehle verändern nur eine Einstellung in der benutzerspezifischen Voreinstellungsdatei des Finders – es kann dabei also nichts passieren.

3. Hidden Files Widget

Wird die Funktion öfter benötigt, sollte man auf das „Hidden Files Widget“ zurückgreifen. Das Dashboard-Widget ist Freeware und kann von Apples Widget-Seite heruntergeladen werden, es funktioniert ab Mac OS X 10.4. Einmal installiert, kann man einfach per Klick auf „Show“ oder „Hide“ alle unsichtbaren Dateien anzeigen oder verbergen lassen. Superpraktisch !

4. Terminal – Hidden Flag

Ab Mac OS X 10.5 sind manche Verzeichnisse nicht aufgrund eines Punktes am Anfang des Namens unsichtbar, sondern aufgrund eines Finder-Flags, das sie verbirgt (das kann auch durchaus mal zu Problemen führen). Das Hidden-Flag kann über diese Terminalbefehle ein- und ausgeschaltet werden:

sudo chflags nohidden (PfadZumObjekt) macht ein unsichtbares Objekt sichtbar.
sudo chflags hidden (PfadZumObjekt) macht ein sichtbares Objekt unsichtbar.

Der Pfad zum Objekt muß natürlich entsprechend angegeben werden, zur Ausführung des sudo-Befehls wird einmal das Admin-Passwort verlangt. Vor jedem Leerzeichen im Dateipfad muß ein Backslash eingegeben werden (alt-shift-7).

Einige Beispiele:
sudo chflags nohidden /usr (macht den Ordner Startvolume/usr sichtbar)
sudo chflags hidden /Applications (macht den Ordner „Programme“ unsichtbar)
sudo chflags hidden /Volumes/Meine\ Festplatte (macht die Festplatte „Meine Festplatte“ unsichtbar)

5. Suchen mit Spotlight

Sucht man nach einer bestimmten Datei, weiß aber nicht, wo sie genau liegt, kann man auch Spotlight nach unsichtbaren Dateien suchen lassen: Mit cmd-f ein Suchfenster öffnen und die Suchoptionen auf „Sichtbarkeit“ ist „unsichtbar“ einstellen. Der Suchvorgang dauert eine Weile. Meiner Erfahrung nach werden allerdings längst nicht alle Objekte gefunden.

6. „Gehe zum Ordner…“

Mac OS X bietet auch die Möglichkeit, per Eingabe des Pfades direkt auf einen unsichtbaren Ordner zuzugreifen – der genaue Pfad muß dafür natürlich bekannt sein. Will man z.B. nachschauen, was sich in dem unsichtbaren UNIX-Verzeichnis „var“ befindet, kann man einfach im Finder unter „Gehe zu“ den Menüpunkt „Gehe zum Ordner…“ aufrufen (per Tastaturkürzel: Shift-cmd-G), als Pfad „/var“ eingeben und auf Öffnen klicken. Das Verzeichnis wird in einem Finderfenster geöffnet.

Mit allen unsichtbaren Dateien und Ordnern des Betriebssystems sollte man selbstverständlich äußerst vorsichtig umgehen – also auf gar keinen Fall einfach löschen, verschieben oder umbenennen, wenn man nicht genau weiß, was man tut !

(a269/al)

Artikel und Links zum Thema:
Download: Panic Transmit
Download: hiddenfiles
Nach Neuinstallation von 10.5 sind UNIX-Verzeichnisse auf der Festplatte sichtbar.
Das Startvolume erscheint nicht auf dem Schreibtisch
 
  1. Thomas S. vor 7 Jahren

    danke für den Beitrag, selten ein so guten und präzisen Beitrag gelesen

    • tiramigoof vor 7 Jahren

      Danke für die Blumen ! Grüße :-) Anette

  2. Martin Sauter vor 7 Jahren

    Sehr hilfreich, vielen Dank! Schön wäre es natürlich, wenn Apple für die Power Users irgendwo eine Systemeinstellung vorsehen würde, mit der man unsichtbare Dateien global sichtbar machen könnte (wie bei Windows).

  3. Georg vor 3 Jahren

    Perfekt!
    In sehr vielen Artikeln wird nur die globale (Un)sichtbarmachung von Dateien und Ordnern beschrieben.
    Nach einer Festplatten-Wiederherstellung war bei meinem MacBook plötzlich der Ordner „private“ sichtbar.
    Mit Transmit habe ich gesehen, dass einige andere Ordner im Root der Festplatte zwar unsichtbar sind, aber keinen vorangestellten Punkt aufweisen.
    Euer Tipp war super und goldwert!!
    Danke, Georg

  4. Ritchie vor 2 Jahren

    Ein toller Beitrag – SUPER. Ein kleiner Tipp – Filezilla ist ein kostenloser FTP-Client und damit habe ich alles was ich weg haben wollte gelöscht. Danke, Ritchie

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