Kann ein TFT-Monitor eigentlich „einbrennen“ – und ist ein Bildschirmschoner wirklich noch notwendig ?

Auf den meisten Macs oder PCs wird nach einer gewissen Zeit der Inaktivität ein Bildschirmschoner aktiviert. Erfunden wurden Bildschirmschoner ursprünglich einmal, um ein „Einbrennen“ des Bildes auf einem Röhrenmonitor zu verhindern. Die meisten dieser kleinen Kunstwerke sehen zwar hübsch aus und verschönern einem den Büroalltag – aber sind sie auch dazu geeignet, ein modernes TFT-Display zu schonen ? Und kann ein TFT-Display überhaupt einbrennen ?

„Eingebrannt“ oder nur „untrainiert“ ?

Gleich vorweg: Wirklich „einbrennen“ kann ein TFT-Display natürlich nicht. Das sogenannte „Einbrennen“ ist ein Begriff, der – genauso wie die Bildschirmschoner – noch aus der Ära der alten CRT-Röhrenmonitore stammt. Bei dieser Technik traf ein energiereicher, gelenkter Strahl auf eine Beschichtung, die die unsichtbare Strahlungsenergie aufnahm und als sichtbares Licht wieder abgab.

Diese Beschichtung, die z. B. aus Phosphor bestand, reagierte auf eine konstante Bestrahlung so ähnlich wie ein farbiges T-Shirt in der Sonne: die Beschichtung blich mit der Zeit aus, und das Muster war permanent zu sehen. Nach einer gewissen Zeit war dieser Vorgang auch nicht mehr rückgängig zu machen und das Muster unwiderruflich „eingebrannt“.

In modernen TFT-Displays wird gar keine Strahlung erzeugt, also kann hier eigentlich auch nichts „einbrennen“. Der Begriff wird aber synonym für ein ähnliches Phänomen benutzt – denn auch bei einem TFT-Monitor kann es vorkommen, daß ein häufig dargestelltes Muster, beispielsweise die Menüleiste eines ständig benutzten Programms, dauerhaft bestehenbleibt, obwohl sich das Bildsignal längst verändert hat.

Um das Phänomen dauerhafter Muster bei TFT-Displays zu beschreiben, wäre eigentlich ein Vergleich aus dem Bereich der Bewegung treffender: Wenn wir uns lange nicht bewegt haben, sind wir steif und ungeübt geworden, und es fällt uns schwer, wieder in die Gänge zu kommen. Was dagegen hilft, sind ein paar Turnübungen.

Ganz ähnlich verhält es sich bei einem TFT-Display: Die dauerhaften Muster sind sozusagen das Ergebnis von kristalliner Faulheit. Sie sind aber häufig reparabel und lassen sich durch etwas „Training“ wieder entfernen (s. unten).

Wie funktioniert ein TFT-Display ?

Im Gegensatz zu einer Röhre, die selber leuchtet, ist ein TFT-Display immer auf eine Lichtquelle hinter dem eigentlichen Display angewiesen. Das Licht dieser Lichtquelle wird dann so ausgefiltert, daß die richtige Lichtmenge und die richtige Farbe abgegeben wird. Das Licht wird dabei durch zwei Polarisationsfolien geschickt, die um 90 Grad zueinander verdreht sind. Polarisationsfilter lassen nur Licht in einer einzigen Schwingungsebene durch, also zum Beispiel nur horizontale Wellen. Im 3D-Kino wird diese Technik ebenfalls genutzt.

Zwei um 90 Grad verdrehte Polarisationsfilter lassen demnach überhaupt kein Licht mehr durch: Da durch den ersten Filter nur horizontales und durch den zweiten Filter nur vertikales Licht gelangt, kommt vertikales Licht an der zweiten Folie schon gar nicht mehr an.

Wer das mit der Polarisation noch mal genau erklärt haben möchte, findet hier eine wunderbare Seite dazu.

Zwischen diesen beiden Folien ist bei einem TFT-Display eine Schicht Flüssigkristalle angeordnet. Wenn diese von einem Transistor (dem eigentlichen TFT oder Thin Film Transistor) mit Strom angesteuert werden, liegen sie nicht mehr ungeordnet oder in einer selbstgesuchten bequemen Lage herum, sondern ordnen sich in einer festgelegten Struktur an. Diese Struktur ist so gewählt, daß polarisiertes Licht beim Durchgang durch die Kristalle ebenfalls um genau 90 Grad gedreht wird – und damit kann es durch die zweite Polarisationsfolie entweichen. Wir können es sehen.

Wie entstehen dauerhafte Muster bei einem TFT-Display ?

Läßt man die Flüssigkristalle sehr lange in ein und derselben Position, werden sie unbeweglich und haben eine Tendenz, lieber gleich so liegenzubleiben oder nur unwillig diese Stellung zu ändern. Dadurch sehen wir einen Schatten auf dem Bildschirm und reden von „eingebrannt“.

Die Hersteller der Displays bestätigen dieses Verhalten. Die Kristalle brauchen dann etwas „Gymnastik“, sprich Bewegung, um wieder volle Beweglichkeit zu erlangen. Um die Schatten wieder zu entfernen, hilft es oft, einige Male zwischen voller Helligkeit und tiefem Schwarz hin- und herzuschalten.

Wie sinnvoll ist ein Bildschirmschoner bei einem TFT-Display ?
Wie kann man das Display wirklich schonen ?

Auf diese Frage gibt es keine ganz eindeutige Antwort, aber verschiedene berechtigte Sichtweisen.

Ein TFT besteht aus einer Lichtquelle (Kaltkathodenlampe oder LED) und davor dem eigentlichen hinterleuchteten Display. Wie auch bei Leuchtstoffröhren geben die Hersteller zwei Begrenzungswerte für die Lebensdauer einer Leuchtquelle an: 1. Die Leuchtdauer (20.000 – 50.000 Stunden) und 2. die Anzahl der Schaltvorgänge (an / aus).

Ein Bildschirmschoner kann den Monitor nicht ausschalten. Man kann aber den Monitor nach einer bestimmten Zeit in den Ruhezustand gehen lassen. Wird diese Zeit in den Systemeinstellungen zu kurz gewählt, so daß der Monitor sehr häufig ausgeht, um dann gleich wieder angeschaltet zu werden, ist das genauso schädlich wie ständiges Ein- und Ausschalten einer Energiesparbirne oder Leuchtstoffröhre.

Andererseits verbraucht eine ständig laufende Hintergrundbeleuchtung Strom und heizt das eigentliche Display unnötig auf.

Empfehlenswert ist also am ehesten ein möglichst dunkler Bildschirmschoner, vielleicht mit einem sich bewegenden Symbol, um anzuzeigen, daß der Monitor in Betrieb ist. In Kombination mit einem nicht zu kurz gewählten Ruhezustand des Monitors sollte das am schonendsten sein.

(b546/hr)

Artikel und Links zum Thema:
Bildschirmschoner installieren oder entfernen
Worauf muß ich achten, wenn ich einen neuen Monitor kaufen will ?
Science Trek: Polarisation
Wikipedia: Polarisation
Wikipedia: TFT-Bildschirm
 
  1. Atilla vor 2 Jahren

    Scheinbar schon ein älterer Artikel, den ich zum Glück noch gefunden habe :) Bei mir hatt eisch tatsächlich auch was auf dem iMac Monitor „eingebrannt“ und der Tipp mit dem heller und dunkler machen hat tasächlich geholfen. Rin Riesen-Dankeschön!

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