Glossy oder matt ? Von iMacs, Spiegelungen und Blendschutz.

Beim Kauf eines neuen Macs stellt sich häufig die Frage nach den Vor- und Nachteilen von Glossy-Monitoren. Viele Anwender, die bisher immer einen Mac oder Apple-Monitor mit mattem Display hatten, sind unsicher: stören die Spiegelungen nicht doch sehr beim Arbeiten ? Wie sind die Auswirkungen auf die Farbdarstellung ? Und manch einer lehnt Glossy-Displays sogar so kategorisch ab, daß der Monitor mit der Glasscheibe sogar ein Grund ist, sich keinen iMac anzuschaffen.

Kernpunkt der Kritik ist eigentlich immer das Spiegeln. Und man kann es ja wirklich drehen und wenden wie man will: ein Glossy-Display spiegelt bei ungünstigen Lichtverhältnissen.

Lichtverhältnisse und Fokussierung

Sitzt man zum Beispiel mit dem Rücken zu einem Fenster oder einer sehr hellen Fläche, sind die Spiegelungen sehr ausgeprägt. Wird der Anwender selbst in einer anderen Beleuchtungssituation durch die Lichtquelle besonders gut ausgeleuchtet, ist das eigene Spiegelbild deutlich zu erkennen.

Etwas abgemildert wird dieser Effekt dadurch, daß die Spiegelung und das Monitorbild in verschiedenen Fixierungsebenen liegen. Die Spiegelung wird zwar wahrgenommen, aber scharf sehen kann man immer nur entweder das Eine oder das Andere. Das ist mit einem HeadUp Display in modernen Autos vergleichbar: Sieht man auf die Straße, nimmt man die Darstellung auf der Scheibe kaum war. Fokussiert man auf die Anzeige, die in die Scheibe gespiegelt wird, wird die Fernsicht nur unscharf wahrgenommen.

Welchen Vorteil haben Glossy-Displays ?

Wenn aber die Problematik bekannt ist – warum gibt es dann überhaupt die „spiegelnden“ Displays, und was für Vorteile haben sie ?

Ein anschaulicher Vergleich für den Effekt eines Glossy-Displays sind geschliffene Edelsteine. Da, wo der Stein matt ist, sieht er unscheinbar aus. Wo er geschliffen und zusätzlich poliert ist, entfaltet er seine Schönheit. Ähnlich verhält es sich bei mattiertem Glas, das fast undurchsichtig ist. Wenn es aber befeuchtet wird, ist die Oberfläche glatter, und man kann hindurchsehen.

Derselbe Effekt läßt sich bei einem TFT-Monitor beobachten. Eine matte Oberfläche verteilt das durchscheinende und darauf fallende Licht nach allen Seiten. Es wird gebrochen. Das verhindert zwar Spiegelungen – aber die Farben sind dafür weniger prägnant und klar. Schwarz ist auf einem matten Display bei weitem nicht so tiefschwarz wie auf einem Glossy-Display, sondern vergleichsweise „gräulich“. Eine glänzende Displayoberfläche sorgt für einen höheren Kontrast und brillantere Farben.

Auch im High End-Bereich wird die sattere Farbdarstellung der Glossy-Displays heute vielfach anerkannt und bevorzugt. Man weiß um die Nachteile, erkennt aber auch die Vorteile.

Hersteller günstiger TN-Displays nutzen den Glossy-Effekt natürlich auch besonders gern, um ihre billigen Panel optisch aufzuwerten. Auch aus diesem Grund sind die spiegelnden Monitore auf dem Vormarsch.

Diesen Vorwurf kann man Apple zwar nun wirklich nicht machen – aber als Mac-User hat man mittlerweile kaum noch eine Wahlmöglichkeit. Mit Ausnahme des MacBook Pro in der CTO-Ausführung hat Apple nur noch Glossy-Displays im Programm. Besonders bei der großen Fläche des 27″ iMacs, der ja vermehrt auch im professionellen Bereich für farbverbindliches Arbeiten eingesetzt wird, können die Spiegelungen störend sein.

Kann man mit technischen Mitteln etwas gegen die Spiegelungen tun ?

Wir haben uns einige Gedanken darüber gemacht, ob es nicht irgendwie technisch machbar ist, den iMac zu „entspiegeln“. Gleich vorab: die optimale Methode haben wir noch nicht gefunden.

Erste und naheliegendste Möglichkeit: Weg mit der Glasscheibe !
Die Scheibe kann problemlos mit zwei Saugnäpfen entfernt werden (oben rechts und links ansetzen und einfach ziehen). Die Befestigung ist rein magnetisch. Die sehr dünne Scheibe aus Spezialglas läßt sich dann vorsichtig nach oben abnehmen.

Leider bringt das aber nichts – denn die dann freigelegte Kunststoffschicht ist ebenfalls „glossy“. Die Spiegelungen sind zwar im Vergleich zur Glasscheibe etwas reduziert, aber die hochglänzende Kunststoffschicht ist sehr viel empfindlicher als ein normales, mattes Display. Schlierenbildung beim Abwischen und auch Kratzer wären vorprogrammiert.

Zweite Möglichkeit: eine Folie aufkleben.
Durch eine Folie entstehen Interferenzen und sogenannte parallaxe Effekte. Das Bild sieht körnig aus, und einzelne Bildpunkte scheinen zu glimmen – also keine ideale Lösung. Wir haben aber durchaus auch von Anwendern gehört, die mit solchen Folien einigermaßen gut zurechtkommen.

iMac Displayschutzfolien bei Amazon

Läßt sich das Glas vielleicht genauso „entspiegeln“ wie eine Brille ? Entspiegelte Brillengläser sind ja schließlich auch nicht matt, sondern klar und durchsichtig.

Ausprobiert haben wir das (bisher) zwar noch nicht, allerdings scheint diese Art des Aufdampfens einer Beschichtung im Vakuum bei der Größe eines 27″-Displays nicht wirklich bezahlbar zu sein. Der Praxistest steht noch aus.

Blendschutz für 27″ iMacs: Erhöht die Farbverbindlichkeit und schont die Augen

Wir haben uns entschlossen, eine Lichtschutzhaube für den 27″ iMac zu entwickeln. Das kann zwar die Spiegelungen nicht verhindern, reduziert aber unerwünschte Blendeffekte. Durch die Lichtschutzhaube wird die Farbverbindlichkeit des iMac-Monitors verbessert, insbesondere bei farbveränderndem Streulicht im Raum (wie zum Beispiel Halogen).

Gerade weil das Display zum Spiegeln neigt, lassen viele Anwender als Gegenmittel die Helligkeitseinstellung im Auslieferungszustand, also auf maximal. Vergleicht man jedoch mal die Helligkeit eines iMac-Displays mit einem kalibrierten High-End-Monitor, sieht dieser neben dem iMac aus wie eine matte Funzel.

Durch die Lichtschutzhaube ist es möglich, die Helligkeit des iMac-Displays massiv zu reduzieren – bei gleichem Kontrast und gleicher Farbwahrnehmung. Die Helligkeit läßt sich so bis in einen Bereich herunterregeln, der auch bei kalibrierten Monitoren eingestellt wird, um mit genormtem Gamma und D50/65 und einer dem Druckergebnis angenäherten Helligkeit farbverbindlicher arbeiten zu können. Bei einer so großen und hell leuchtenden Fläche ist die Reduzierung der Helligkeit außerdem sehr schonend für die Augen.

Weitere Infos zur Lichtschutzhaube CapOne27 auf unserer Homepage.

Was ist denn nun besser – glossy oder matt ?

Schon vor etlichen Jahren haben wir unseren Kunden einmal TFT-Monitore mit Glasscheibe empfohlen. Schon damals mußten wir feststellen: das Thema polarisiert sehr.

Etwa ein Drittel der Anwender kam mit dem Glossy-Display überhaupt nicht zurecht, und wer das Spiegeln erst einmal als störend empfand, lehnte diese Displays seitdem kategorisch ab. Die anderen zwei Drittel der Anwender hatten keine Probleme damit; sie sahen nach einer kurzen Gewöhnungsphase durch die Spiegelung hindurch und fokussierten das Monitorbild.

Die Frage läßt sich also nicht eindeutig beantworten. Beide Display-Arten haben ihre Vor- und Nachteile, und letzten Endes ist es eine Frage der persönlichen Vorliebe. Wer allerdings zur Fraktion derer gehört, die die Glossy-Monitore kategorisch ablehnen, sollte den Displays vielleicht doch noch mal eine Chance geben – in vielen Fällen nimmt man nach einer kurzen Eingewöhnung die Spiegelungen kaum noch wahr.

(b596/hr)

Artikel und Links zum Thema:
CapOne27 – Lichtschutzhaube für den 27″ iMac
Worauf muß ich achten, wenn ich einen neuen Monitor kaufen will ?
iMac Displayschutzfolien bei Amazon
 

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2019 tiramigoof | dandelion GbR

Bitte melde Dich an:

Passwort vergessen ?